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Life-Design – wer sind Sie, wenn Sie nie­mand sein müssen?

Von Selina

Der Wortteil «Beratung» sug­ge­riert bei vie­len, dass es sich bei einer Laufbahnberatung um eine Tätigkeit han­delt, bei der Expertise und Wissen ver­mit­telt wird. Das mag viel­leicht frü­her der Fall gewe­sen sein. Eine moder­ne Laufbahnberatung resp. Standortbestimmung unter­stützt Klientinnen und Klienten bei der Steigerung ihrer Selbstreflexion. Zudem hilft sie dabei, basie­rend auf der per­sön­li­chen Identität und der eige­nen Lebensgeschichte einen ent­spre­chen­den Lebensentwurf zu gestal­ten. Deshalb wird die Laufbahnberatung heu­te oft auch als Life-Design oder Karriere-Konstruktion bezeichnet.

Personen, die in der Standortbestimmung von Fachexperten erfah­ren wol­len, wel­che Berufe für sie am bes­ten geeig­net sind, wer­den ent­täuscht. Auch erhal­ten sie nur am Rande Ratschläge in Form von Expertenwissen über Berufe sowie den Arbeitsmarkt. Beratungspersonen emp­feh­len auch kei­ne bestimm­te Verhaltensweise oder Laufbahnrichtung. Die Laufbahnberatung resp. Standortbestimmung ist eine Anwendung der Beratungspsychologie. Vordergründiges Ziel die­ser psy­cho­lo­gi­schen Disziplin ist es, Personen dar­in zu unter­stüt­zen, sich selbst, ihre Umwelt und ihre aktu­el­len Herausforderungen bes­ser ein­schät­zen zu kön­nen. Weiter sol­len sie ihr Erleben und ihr Verhalten ent­spre­chend danach aus­rich­ten und opti­mie­ren können.

Persönliche Einzigartigkeit entdecken

In vie­len von uns schlum­mert der Wunsch, mehr aus dem eige­nen Leben zu machen. Dies gilt fürs Privatleben, wie auch im Job. Leider neh­men wir jedoch sol­che Veränderungen viel zu sel­ten wirk­lich in Angriff. Oder erst dann, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist. Das ist durch­aus nor­mal, denn unser Alltag ist kom­plex und mit vie­len To Dos voll­ge­packt. Es gibt immer gute Gründe, wie­so jetzt gera­de die Zeit fehlt. Und über­haupt: wie gelingt es uns eigent­lich, den eige­nen Lebensentwurf zu gestal­ten und dann auch umzu­set­zen – also tat­säch­lich auch im Alltag zu leben? Mit unse­rer Standortbestimmung beglei­ten wir Personen auf Ihrer Entdeckungsreise. Wir geben ihnen Raum für Neues und unter­stüt­zen sie beim Erarbeiten ihres indi­vi­du­el­len Lebensentwurfs. Eine Standortbestimmung umfasst so viel mehr als nur das Erarbeiten von Karriereoptionen. Im gesam­ten Prozess geht es um die Klientinnen und Klienten:

Wer bin ich? Anhand einer Standortbestimmung wird die aktu­el­le Situation ana­ly­siert. Hierbei wer­den nicht nur beruf­li­che Aspekte berück­sich­tigt, son­dern auch alles, was die Klienten als Person aus­macht. Denn die Biografie, Persönlichkeit und Werte machen Menschen zu dem, was sie sind und sie auszeichnet.

Was kann ich? Im Prozess ent­de­cken Klientinnen und Klienten ihre Stärken, Kompetenzen, Interessen und Fähigkeiten von einer neu­en Seite. Sie ver­ste­hen, wie sie die­se bewusst ein­set­zen kön­nen. Zudem erken­nen sie, was alles in ihnen steckt und was sie bereits Wertvolles mitbringen.

Was will ich? Klientinnen und Klienten wer­den sich ihrer Bedürfnisse kla­rer. Sie spü­ren was sie brau­chen, um sich wohl zu füh­len. Ihnen wird bewusst, wel­che Kompetenzen sie allen­falls noch wei­ter­ent­wi­ckeln oder sich neu aneig­nen möch­ten. Weiter schmie­den sie ihre Zukunftsentwürfe. Damit wer­den eine posi­ti­ve Grundstimmung sowie posi­ti­ve Gefühle wach­ge­ru­fen und ihre per­sön­li­che Vision belebt. Damit kön­nen sie – wenn sie wol­len – in die wei­te­re Umsetzung gehen.

Die vier Phasen

Unser Prozess der Standortbestimmung lehnt sich an das Zürich-Mainzer-Laufbahnberatungsmodell (ZML) an. Die Klientinnen und Klienten durch­lau­fen ins­ge­samt vier Phasen. Nach dem kos­ten­lo­sen und unver­bind­li­chen Erstgespräch sowie der Auftragsklärung wird zuerst die aktu­el­le beruf­li­che und pri­va­te Situation ana­ly­siert. Oftmals ist gar nicht so rich­tig klar, wo der Schuh drückt. Allenfalls stellt sich her­aus, dass die Situation gar nicht so erdrü­ckend ist, wie zuerst ange­nom­men. Oft ist nur ein Bereich etwas in Schieflage gera­ten. In der zwei­ten Phase geht es dann dar­um, die eige­ne Selbstkenntnis zu ver­bes­sern. Dieser Prozessteil ist sehr wich­tig, da er die Basis für die wei­ter­füh­ren­de Arbeit bil­det. Ohne zu wis­sen, wel­che Stärken, Kompetenzen, Fähigkeiten und Werte eine Person hat, ist die Entwicklung von Zukunftsentwürfen und neu­en beruf­li­chen Perspektiven nur schwer mög­lich. Und dann beginnt sie, die auf­re­gen­de drit­te Phase. Es wer­den Berufsideen ent­wi­ckelt und bewer­te­tet, bevor es dann an die kon­kre­te Umsetzungsarbeit geht.

Eine Standortbestimmung ist an kei­ne ver­trag­li­che Bindung geknüpft. Klientinnen und Klienten kön­nen die­se jeder­zeit been­den. Da kommt es hie und da vor, dass eini­ge nach der drit­ten Phase einen Break machen. Sie ver­ar­bei­ten dann die Erkenntnisse erst­mals in Ruhe und legen die­se viel­leicht sogar ein­fach mal in eine Schublade. Einige mel­den sich zu einem spä­te­ren Zeitpunkt zur Prozesswiederaufnahme und Start der Umsetzung bei uns. Einige gehen selb­stän­dig in die Umsetzung. Wieder ande­re las­sen es ganz sein – jeder fin­det sei­nen eige­nen und rich­ti­gen Weg und Umgang damit. Die Erfahrung hat gezeigt, dass der letz­te Prozessschritt für Klientinnen und Klienten immer der schwie­rigs­te ist. Zum einen erfor­dert der Umsetzungsprozess viel Eigeninitiative und die Komfortzone muss immer wie­der aufs Neue ver­las­sen wer­den. Weiter ist die­se Phase auch sehr zeit­in­ten­siv. Als Beratungsperson beglei­ten und unter­stüt­zen wir Klientinnen und Klienten in die­ser «Zwischenphase» best­mög­lich, moti­vie­ren und ermu­ti­gen sie. Zudem leben wir ihnen unse­re Art von Patchwork-Modell vor und sor­gen so für Inspiration, neben der ange­stamm­ten Tätigkeit mit Leidenschaft etwas Neuem nach­zu­ge­hen oder selbst auf­zu­bau­en. Denn wir sind über­zeugt: ein Lebensentwurf, der mit viel Freude und Spass bei der Arbeit ver­bun­den ist, macht lang­fris­tig zufrie­de­ner und glücklicher.

Stichwort Arbeitswelt 4.0

Arbeitswelt 4.0. Ein Begriff, der schon seit län­ge­rem kur­siert. Unternehmen müs­sen in einem immer dyna­mi­sche­ren Umfeld agie­ren. Führungskräfte müs­sen ihren Stil agil gestal­ten und Unternehmenskulturen lau­fend neu­en Gegebenheiten ange­passt wer­den. Aufgrund der Digitalen Transformation befin­den sich Unternehmen in einem Umfeld, wel­ches sich durch Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit aus­zeich­net. Die aktu­el­le Situation rund um Covid-19 hat die­se Transformation ein gros­ses Stück vor­an­ge­trie­ben. Was heisst es für Mitarbeitende und Führungspersonen, sich fit für die­se dyna­mi­sche Arbeitswelt zu machen? Zentral ist es, die eige­ne Beschäftigungsfähigkeit zu bewah­ren und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Essenziell ist zudem, sich neu gefor­der­te Kompetenzen anzu­eig­nen und sich in der Multioptionengesellschaft ori­en­tie­ren zu kön­nen. Belastbarkeit, Lernfähigkeit, Engagement und Selbstmanagement sind dabei eini­ge wich­ti­ge Schlüsselelemente.

Möchten Sie noch mehr zu unse­rem Life-Design Angebot erfah­ren? Hier fin­den Sie wei­ter­füh­ren­de Informationen. Zudem emp­feh­len wir Ihnen unse­re Podcast-Episode zum Reinhören. Packen wir es an und ent­wi­ckeln gemein­sam Ihren Lebensentwurf!

Verwendete Quellen:

  • Hirschi, A. (2017). Berufs- und Laufbahnberatung [Career coun­se­ling]. In S. Kauffeld & D. Spurk (Hrsg.), Handbuch Laufbahnmanagement und Karriereplanung. Heidelberg: Springer.