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Glaubenssätze und deren prä­gen­de Wirkung

Von Selina

In unse­ren Standortbestimmungen oder Laufbahnberatungen fra­gen wir unse­re Klienten manch­mal zu Beginn, wie ihr Leben aus­se­hen wür­de, wenn sie ein­fach abso­lut frei alles noch­mal neu­ge­stal­ten könn­ten. Eine gros­se Frage, die ein­fach so in den Raum gestellt wird. Es ist immer wie­der fas­zi­nie­rend was dann pas­siert: zuerst schau­en uns die Klienten jeweils ver­un­si­chert an und nen­nen zurück­hal­tend eini­ge wich­ti­ge Elemente eines sol­chen Lebens. Dann begin­nen die Augen plötz­lich zu strah­len, das Gesicht ent­spannt sich und ein Lächeln brei­tet sich über das gesam­te Gesicht aus. Zur Sicherheit wird noch­mals nach­ge­fragt «darf ich wirk­lich alles nen­nen was ich mir wün­sche?» und dann spru­delt es nur so von wun­der­ba­ren Ideen. Denn plötz­lich sind sie wie­der greif­bar da: die Vorstellungen, Wünsche und Bedürfnisse, die für unse­re Klienten einen tol­len Lebensentwurf ausmachen.

Ganz lang­sam schleicht sich dann jedoch nach einer Weile bei vie­len etwas an, lässt das Gesicht wie­der ernst wer­den und das Strahlen in den Augen ver­blas­sen. «Das kann man doch nicht ein­fach so machen» oder «dafür bin ich zu alt» heisst es dann, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wumm. Mit vol­ler Wucht trifft sie die­ses Etwas.

Die gan­ze Inspiration weg! Genau das ist es, was das aus dem Rückhalt anschlei­chen­de Etwas – auch Glaubenssätze genannt – mit uns macht. Glaubenssätze prä­gen näm­lich nicht nur unser Verhalten, son­dern auch unse­re Entscheidungen.

Negative Glaubenssätze wie «das darf ich nicht», «das wer­de ich nie ler­nen», «ich bin es nicht wert» oder «ich kann das eh nicht», blo­ckie­ren uns oft­mals und ver­un­mög­li­chen die Entwicklung und freie Gestaltung von posi­ti­ven Lebensentwürfen, eige­nen Lebensvisionen und Bedürfnissen.

Glaubenssätze und Überzeugungssysteme bestehen aus per­sön­li­chen Werten und Kriterien. Aber auch aus Motivationen, wie und war­um wir wel­che Entscheidungen oder Verhaltensweisen wäh­len. Sie sind also schlicht­weg eine Verallgemeinerung über:

  • Zusammenhänge («das liegt bei uns in der Familie»)
  • Bedeutungen («wer nicht arbei­tet ist faul») oder Grenzen («das ist unmöglich»)

 

Wie Glaubenssätze entstehen

Insbesondere früh in unse­rem Leben, in unse­rer Kindheit und in der Interaktion mit unse­ren nächs­ten Bezugspersonen, Eltern oder Geschwistern, wer­den unse­re Glaubenssätze und unser Verständnis was «wahr» und was «falsch» ist gebil­det. Dabei wer­den Aussagen von unse­rem Umfeld wie «du bist so unge­schickt» von unse­rem Kind-Ich oft­mals unre­flek­tiert ins Erwachsene-Ich über­nom­men. Durch Millionen täg­li­cher Interaktionen wer­den dadurch seit Kindheit unse­re Denk- und Verhaltensmuster geformt und konditioniert.

Gerade in unse­rer kom­ple­xen Welt, mit all den vie­len Informationen, die wir täg­lich ver­ar­bei­ten müs­sen, hel­fen uns unse­re Glaubenssätze und Überzeugungen aber auch die­se Informationen zu bewer­ten, struk­tu­rie­ren und einzuordnen

Wie Glaubenssätze wirken

Glaubenssätze kön­nen eine unglaub­lich posi­ti­ve Wirkung ent­fal­ten. So zei­gen bei­spiels­wei­se Untersuchungen, dass bei gene­se­nen Krebserkrankten nicht eine spe­zi­fi­sche Art der Therapie aus­schlag­ge­bend für den Heilungserfolg war, son­dern der Glaube und die Überzeugung, die Krankheit zu über­ste­hen. Glaubenssätze kön­nen uns also auch stär­ken und durch schwie­ri­ge Zeiten hin­durch unterstützen.

Sie wer­den aber vor allem dann für uns pro­ble­ma­tisch, wenn sie uns zurück­hal­ten. Wenn es dar­um geht, wich­ti­ge Entscheidungen zu tref­fen, Veränderungen zu initi­ie­ren. Oder sie prä­gen unser Verhalten so sehr, dass sie uns blo­ckie­ren und wir Dinge nicht tun, die wir ger­ne tun möchten.

Wie wir Glaubenssätze ver­än­dern können

Glaubenssätze kön­nen mit Hilfe von fünf Schritten posi­tiv umfor­mu­liert werden:

1. Erkennen: Erinnern Sie sich an kon­kre­te Situationen, die Ihnen immer wie­der pas­sie­ren oder die sehr hohe emo­tio­na­le Reaktionen bei Ihnen auslösen.

2. Aufschreiben: Führen Sie sich die­se Glaubenssätze bewusst vor Augen indem Sie sie schrift­lich notie­ren. Erstellen Sie eine Liste der eige­nen nega­ti­ven Denkmuster und Überzeugungen, lesen Sie sich die­se laut vor und las­sen Sie die Emotionen zu, die die ein­zel­nen Glaubenssätze auslösen.

3. Hinterfragen: Hinterfragen Sie nun jeden der notier­ten Glaubenssätze mit fol­gen­den Fragen:

  • Ist die­ser Satz zu 100% wahr? Gilt die­ser Satz immer und in jeder Situation?
  • Wie wäre Ihr Leben ohne die­sen Glaubenssatz?
  • Gibt es Gegenargumente zu die­sem Satz?

 

4. Transformieren: Nehmen Sie ein neu­es Blatt Papier und gehen Sie nun jeden ein­zel­nen nega­ti­ven Glaubenssatz noch­mals durch und ändern die­sen in eine posi­ti­ve Formulierung, wel­che Sie auf das neue Blatt Papier schrei­ben. Achten Sie dar­auf, dass die­se zu Ihnen passt, posi­tiv for­mu­liert ist und kei­ne Füllwörter wie «eigent­lich», «viel­leicht» etc. ent­hal­ten. Auch soll­te der posi­ti­ve Glaubenssatz in der Gegenwart spie­len («Ich bin..» nicht «ich wer­de..»). Formulieren Sie den neu­en Satz so, dass Sie ihn wirk­lich glauben.

5. Verankern:

  • Suchen Sie aktiv nach Beweisen und eige­nen Erfahrungen für die neu­en Glaubenssätze.
  • Versuchen Sie die neu­en Glaubenssätze so oft wie mög­lich zu wie­der­ho­len und machen Sie sie sicht­bar (bspw. Post-It an Badzimmerschrank). Lesen Sie Ihre neu­en Glaubenssätze für ca. 2 Monate mind. mor­gens und abends ein­mal durch. Nach und nach ver­in­ner­licht ihr Gedächtnis und Unterbewusstsein so die­se neu­en Glaubenssätze.

 

Glaubenssätze bestim­men, wie­so Sie in bestimm­ten Situationen auf eine bestimm­te Art und Weise reagie­ren oder han­deln. Darum lohnt es sich immer mal wie­der, Ihre eige­nen Glaubenssätze kri­tisch zu prü­fen, hin­ter­fra­gen und allen­falls zu ver­än­dern. So ler­nen Sie was neu «wahr» ist und Ihre Vorstellungen, Wertehaltungen und Überzeugungen bewusst selbst zu gestal­ten – einer der wich­tigs­ten Schritte in ein selbst­be­stimm­tes Leben.

Alles was wir sind ist das Resultat des­sen, was wir gedacht haben.”
(Siddhartha Gautama Buddha)

In die­sem Sinne: Glauben Sie nicht alles was Sie glau­ben, son­dern gestal­ten Sie aktiv was Ihre Glaubenssätze bei Ihnen bewir­ken sol­len und kön­nen. Nutzen Sie die Energie posi­ti­ver Glaubenssätze!

Möchten Sie aktiv Ihre Glaubenssätze kennen- und trans­for­mie­ren ler­nen? Wir unter­stüt­zen Sie ger­ne dabei!